• Vom Buddha auf dem Kiesbett

Vom Buddha auf dem Kiesbett

07.10.2020

Ein bekanntes Thema nimmt in diesen Wochen wieder Fahrt auf: Die Steingärten, die vor einigen Jahren in Mode gekommen sind und mit denen sich viele Leute ein Stück pflegeleichtes asiatisches Flair in den Garten geholt haben. Diese werden nun nicht mehr als Zen-Gärten gesehen, sondern wahlweise als Geröllhalden bezeichnet, als Ökosünde und tierfeindlicher Unfug.

Bereits vor einem Jahr hat die Ausserrhoder Gemeinde Heiden Gestaltungsrichtlinien für Gärten erlassen, wie man damals im «St. Galler Tagblatt» lesen konnte. Nicht erwünscht sind dort seither: mit Folie versiegelte Steingärten, mit grobem Schotter gefüllte Metallkörbe, Mauern aus Granitstein und massive Sichtschutzwände.

Auch die Frage des Ortsbildes wurde in der Debatte geltend gemacht, und dabei wurde man grundsätzlich: Steingärten passen nicht ins Appenzellerland, und beim Bau von Grünanlagen sei es wichtig, dass Material aus der Region verwendet werde. Der Buddha auf Kiesbett und die Tessiner Palme gehen dort als unpassende Ortsfremde schweren Zeiten entgegen.

Das Signal aus dem Appenzell ist mittlerweile in der Restschweiz angekommen. In den vergangenen Wochen und Monaten haben immer mehr Gemeinden verlauten lassen, Stein- und Schottergärten verbieten zu wollen. Erst vor Kurzem wurde im solothurnischen Langendorf an der Gemeindeversammlung das neue Baureglement einstimmig angenommen. Es enthält den Passus: «Steingärten (Schottergärten), die keinen ökologischen Nutzen haben, sind nicht erlaubt.» Nebenbei bemerkt: Man darf gespannt sein, wer ebendiesen ökologischen Nutzen misst und wie dieser bei einem Baugesuch bewertet wird.

Ich will kein abschliessendes Urteil über die Form der privaten Gartengestaltung abgeben. Und der Steingarten des Ryoanji-Tempels im japanischen Kyoto gefällt mir ebenso gut wie die üppigen Gärten im britischen Hidcote Manor. Das ist Geschmackssache. Aber wenn jemand in Sissach eine Osterinsel-Steinfigur auf Kiesbett zu seinem japanischen Ahorn stellen möchte, dann soll er das tun dürfen. Falls dies ökologisch keine gute Idee sein sollte, dann möchte man bitteschön Aufklärung betreiben und die Menschen vom Besseren überzeugen. Aber aus den Amtsstuben sollen nicht noch mehr Bevormundung, Verbote und Bürokratie kommen.