• Städte für Mittelstand kaum bezahlbar

Städte für Mittelstand kaum bezahlbar

28.11.2019

Eigentumswohnungen – Die Anforderungen für den Erhalt einer Hypothek sind für zahlreiche Haushalte, auch für solche mit einem guten Einkommen, nur schwer zu erreichen. In ländlichen Gebieten sieht es etwas besser aus.

Die rekordtiefen Hypothekarzinsen lassen viele Schweizer Familien von einem Eigenheim träumen. Diesen Traum verwirklichen können sich aber nur wenige. Die Anforderungen für den Erhalt einer Hypothek sind für zahlreiche Haushalte, auch für solche mit einem guten Einkommen, nur schwer zu erreichen. Das Vergleichsportal comparis.ch hat die Tragbarkeit von Hypotheken bei monatlichen Bruttoeinkommen von 10 000 bis 16 700 Franken untersucht. Für die Studie hat Comparis die Einkommen mit den Median-Inserate-Preisen für eine 4,5- bis 5,5-Zimmer-Eigentumswohnung mit 115 bis 135 Quadratmeter Wohnfläche verglichen und dabei festgestellt: Eine solche Wohnung kann sich der Mittel­stand in den Schweizer Grossstädten heute kaum noch leisten. Ein Bruttoeinkommen von monatlich 10 000 Franken reicht meist nur in ländlichen Regionen für den Kauf von Wohneigentum. Wer Wohneigentum kaufen möchte, muss deshalb eine gewisse Distanz zu den Zentren in Kauf nehmen. Der Mittelstand wird also immer stärker aus den Zentren verdrängt.

Auch der Raum Basel ist betroffen

In Basel-Stadt verdienen Mittelstandsfamilien selbst mit einem monatlichen Einkommen von 16 700 Franken (Jahreseinkommen von rund 200 000 Franken) zu wenig für eine wie oben definierte Eigentumswohnung und auch im Baselbiet ist die Nähe zur Stadt entscheidend. Um sich die oben beschriebene Wohnung leisten zu können, ist im Bezirk Arlesheim ein monatliches Brutto­einkommen von 15 100 Franken notwendig. Im Bezirk Sissach sind es 10 800 Franken und nur in Liestal (9750), Waldenburg (9250) und Laufen (8800) müssen weniger als 10 000 Franken monatlich zur Verfügung stehen.

Eine grosse Hürde stellt dabei für viele Kaufinteressenten die sogenannte Tragbarkeitsbedingung dar. Die Banken orientieren sich dabei an der Regel, dass die Wohnkosten maximal ein Drittel des Monatseinkommens betragen sollten. Entsprechend erhält eine Familie mit einem Bruttoeinkommen von bis zu 10 000 Franken nur Eigenheime, deren Kaufpreis 680 000 Franken nicht übersteigt. Für eine Eigentumswohnung von maximal 1 Million Franken, wie sie in Basel-Stadt und im Bezirk Arlesheim Gang und Gäbe sind, ist ein monatliches Bruttoeinkommen von 15 000 Franken (rund 180 000 Franken Jahreseinkommen) nötig.

Dehnbare Tragbarkeits-Regel

Die genannte Tragbarkeitsregel mit einem kalkulatorischen Zinssatz von 5 Prozent ist aber nicht sakrosankt. «Es gibt Banken, die mit einem kalkulatorischen Zins von weniger als 5 Prozent rechnen. Erfahrungsgemäss werden 4,5 Prozent aber nicht unterschritten», so Finanz-Experte Frédéric Papp von Comparis. Und auch bei der Tragbarkeitsregel zeigen sich gewisse Banken flexibel. Teilweise gehen Banken nach Information von Papp auch unter die Marke des 1-prozentigen Unterhalts- und Nebenkostenbeitrags – v.a. für neuere Bauten Es lohnt sich also, bei mehreren Banken Finanzierungsofferten einzuholen. Ss