Farbe und Licht im Raum

06.08.2010

Durch die Art des Auftrags wird die kreisrunde Fläche zum Raumobjekt (Farbgestaltung Truecolour).Bild Truecolour

Innenraumgestaltung - Wenn es ums neue Eigenheim geht, stehen viele Entscheide an. Materialien und Farben müssen bestimmt und die Leuchten ausgewählt werden. Neben der Beratung durch die Architekten helfen dabei auch Fachleute für Farb- und Lichtgestaltung weiter.

Räume leben vom Zusammenspiel von Form, Farbe, Material und Licht. Ihre Wirkung bestimmt, ob man sich in einem Raum wohl fühlt. «Für eine Bauherrschaft, die sich vorher nie mit der Thematik auseinandergesetzt hat, kann schon der Entscheid, ob der Parkettboden dunkel oder hell sein soll, schwierig sein», erklärt Anita Walker, die zusammen mit ihrem Partner Jo Finger seit zehn Jahren das Luzerner Büro Truecolour führt. Das Spektrum ihrer Arbeiten reicht von Farbkonzepten für grosse Wohnüberbauungen und öffentliche Gebäude wie Schulen oder Spitäler bis zur Beratung privater Bauherrschaften kleinerer Objekte: «Rund ein Viertel unserer Aufträge sind Farbgestaltungen für Einfamilienhäuser oder Eigentumswohnungen», schätzt die diplomierte Farbdesignerin. «Die Kunden kommen direkt zu uns, weil sie in Bezug auf die Farbgestaltung unsicher sind, oder wir werden von Architekten und Architektinnen beigezogen.» Gerade in den eigenen vier Wänden sei es wichtig, dass die eingesetzten Farben und Materialien den eigenen Bedürfnissen entsprechen. «In erster Linie geht es deshalb darum, die eigenen Ansprüche zu formulieren», so Anita Walker. Soll der Raum weit und grosszügig wirken oder eher warm und kuschelig? Gibt es persönliche Vorlieben oder Gegenstände mit ihrer ganz eigenen Geschichte? Wie funktional müssen die Räume sein und wie intensiv werden sie beansprucht? «Bei einer Familie mit Kindern beispielsweise muss die Farbgestaltung so umgesetzt werden, dass sie den physischen Anforderungen stand hält», weiss Anita Walker.

Gutes Handwerk ist gefragt

Ihre Aufgabe sehen die Partner von Truecolour darin, die räumlichen Vorstellungen der Bauherrschaft in konkrete Bilder umzusetzen und zu helfen, die richtigen Entscheide zu treffen. «Wir binden unsere Erfahrung und unser Wissen wie beispielsweise Erkenntnisse aus der neurologischen Forschung in ein individuelles Raumkonzept ein», erklärt Anita Walker, «allgemein gültige Tipps für die Farbgestaltung gibt es nicht.» Oft gehe es auch um ganz andere Dinge als zunächst angenommen: «In einem Fall wollte eine Kundin einige ihrer Möbel austauschen. Wir haben ihr dann vorgeschlagen, diese zu behalten, und den Boden so zu gestalten, dass die Möbel besser zur Geltung kommen», erinnert sich die Farbgestalterin. Ebenso wichtig wie das Konzept ist dessen praktische Umsetzung. So holen Anita Walker und Jo Finger von Truecolour auch die Offerten der Handwerker ein und machen detaillierte Ausführungspläne. Und wenn nötig realisieren sie einen Auftrag gleich selbst. Wie im Fall einer Zeichnung von grossformatigen Lindenblüten auf einer Innenwand als Reminiszenz für den Lindenbaum, der dem Neubau weichen musste. Und wie sieht es mit der Ökologie aus? «Das Wissen dazu haben wir, und es gibt wunderbare Produkte», so Anita Walker. Ihre Erfahrung aber sei, dass in der Farbgestaltung die Ästhetik und die Kosten immer noch die grössere Rolle spielten als die ökologische Verträglichkeit: «Mineralische Farben sind im Vergleich zu synthetischen Produkten fragiler und anspruchsvoller zu verarbeiten, was oft Mehrkosten generiert.» Der Einsatz von ökologischen Farben sei ein bewusster Entscheid der Bauherrschaft, sich darauf einzulassen.

Bedürfnisgerecht planen

Neben Farbe und Material spielt das Licht in Wohnräumen eine wesentliche Rolle. Als Architektin mit einer Zusatzausbildung in Lichtplanung schaut Susanne Walthert Eigenmann ihr Zusammenwirken in einem Raum als Einheit an. «Das Licht modelliert die Räume zusätzlich. Richtig eingesetzt, unterstützt es die Wirkung von Oberflächen und Farben.» In ihrem kleinen Laden RAUMLICHTKUNST mitten im Klosterviertel der St. Galler Altstadt berät sie Kunden, die für ihre eigenen vier Wände eine Lösung suchen und verkauft dazu auch die passenden Leuchten. Daneben macht sie aber auch umfassende Lichtplanungen. Wie gerade derzeit die Beleuchtung für die Pflegewohnungen und die öffentlich zugänglichen Bereiche der Seniorenresidenz Bären in Nürensdorf von Hasler Schlatter Partner Architekten. Dabei gibt es zur Lichtplanung im Einfamilienhaus oder in einer Eigentumswohnung durchaus Parallelen: «Die individuelle Bedürfnisabklärung steht bei allen Projekten an erster Stelle», erklärt die Architektin. Wo braucht es welches Licht, welche Lichtstimmung möchte man erzeugen und wie flexibel soll die Beleuchtung sein? All dies sind Fragen, die man sich möglichst früh im Planungsprozess stellen sollte.

Zeitgemässe Lichtquellen

Neben der Wahl der Leuchten geht es dabei auch um die adäquaten Lichtquellen. Im Zusammenhang mit dem Glühlampenverbot (siehe Kasten) ist die Sensibilität für die Wahl der richtigen Lichtquelle gestiegen. Das stellt auch Susanne Walthert Eigenmann fest. Auch losgelöst vom Aspekt der Energieeffizienz ist dies ein wichtiger Punkt, denn bei falscher Lichtfarbe oder -quelle kann ein Raum sehr unbehaglich wirken. «Grundsätzlich versuche ich, durch die Wahl und richtige Mischung der geeigneten Lichtquellen eine möglichst energieeffiziente Beleuchtung vorzuschlagen», so die Architektin. Das Spektrum der möglichen Massnahmen ist dabei sehr breit: Die Akzentuierung von einzelnen Bereichen wie Esstisch oder Arbeitsbereich gehört ebenso dazu wie die Grundbeleuchtung eines Raumes oder das gezielte Erzeugen von Lichtstimmungen. «Je früher wir in den Planungsprozess einbezogen werden, umso besser», meint Susanne Walthert Eigenmann, die oft die Erfahrung macht, dass die Lichtplanung erst an zweiter Stelle kommt: «Aber Farben und Materialien können ihre Wirkung nur im richtigen Licht entfalten.»

Kontakt und Informationen

www.truecolour.ch und www.raumlichtkunst.ch

Von: Jutta Glanzmann, Oerlikon Journalisten, Zürich

Komfortabel und Effizient

Die Zahl der Lampen hat sich in den Schweizer Haushalten in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Im Schnitt brennen heute 24 Lampen in jeder Wohnung. Mit einer durchdachten Planung und dem Ausschöpfen aller Sparmöglichkeiten lassen sich laut Energie Schweiz bis zu 80% an Energie und Kosten für die Beleuchtung einsparen.
Die Energieetikette teilt den Energieverbrauch in sieben Klassen ein, wobei A die energieeffizienteste bezeichnet. Sie ist auf der Verpackung jeder Lampe zu finden. Ab 1. September 2010 übernimmt die Schweiz das Glühlampenverbot der EU, welches diese bereits am 1. September 2009 eingeführt hat. Es sieht den Ausstieg aus der Glühlampentechnologie in sechs Schritten vor. Die Schweiz zieht direkt mit Schritt zwei nach. Damit werden alle normalen Glühlampen ab 75 Watt aus dem Verkehr gezogen. Bis 2016 sollen alle Lampen, die nicht den Klassen A oder B entsprechen, vom Markt verschwinden.
Der Ratgeber Haushaltbeleuchtung, im Dezember 2009 von der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz in Zusammen­arbeit mit Energie Schweiz herausgegeben, informiert kurz und verständlich über alte und neue Lampen und wie sich die Beleuchtung in den eigenen vier Wänden komfortabel und energieeffizient gestalten lässt (www.toplicht.ch).